Dipl.-Biol. Friederike Erlinghagen Facebook Icon
Klassische Tierhomöopathie, Ernährungsberatung und Phytotherapie für Hunde und Katzen

1. Gastrointestinale Erkrankungen

1.1 Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Entzündungen der Magen-Darmschleimhaut

Anisfrüchte (Anisi fructus, Pimpinella anisum, Apiaceae)

Hauptinhaltsstoff: ätherisches Öl

Anwendungsgebiete: Blähungen und Krämpfe in Magen-/Darmbereich (blähungstreibende, d.h. carminative und krampflösende, d.h. spasmolytische Wirkung), sowie Katarrhe der oberen Atemwege (schleimlösende Wirkung)

Eibischwurzel (Althea radix, Althea officinalis, Malvaceae)

Hauptinhaltsstoff: Schleim

Anwendungsgebiete: Reizlinderung bei Schleimhautentzündungen des Magen-/Darmtraktes sowie der oberen Luftwege (Reizhusten)


Gelber Enzian

Enzianwurzel (Gentianae radix, Gentiana lutea, Gentianaceae)

Hauptinhaltsstoff: Bitterstoffe

Anwendungsgebiete: Bei Verdauungsbeschwerden verursacht durch mangelnde Magensaftsekretion, Appetitlosigkeit sowie Völlegefühl und Blähungen.

Besondere Hinweise: Nicht anwenden bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre

Kamillenblüten (Matricariae flos, Matricaria recutita, Asteraceae

Haupinhaltsstoff: Ätherisches Öl

Anwendungsgebiete: 1. Innerlich: Entzündung und Spasmen (Krämpfe) des Gastro-Intestinal-Traktes (Magen/Darm-Trakt), Meteroismus (Blähungen), 2. Äußerlich: Bei Haut- und Schleimhautentzündung (cave: in keinem Fall für Augenbehandlungen geeignet wie früher üblich, da Kamille am Auge reizend wirkt. Für Augenbehandlungen eignet sich gut Euphrasia, Augentrost), 3. Inhalation: Entzündung und Reizung der Luftwege, 4. Lokal: Entzündung von Haut und Schleimhaut, inkl. der Maulhöhle und des Zahnfleisches.


Lavendel

Lavendelblüten (Lavendulae flos, Lavendula angustifolia, Lamiaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Flavonoide

Anwendungsgebiete: 1. Innerlich: Appetitlosigkeit, Blähungen, allg. nervöse Magen-/Darmbeschwerden, Unruhezustände, 2. Äußerlich: Lavendelöl (Lavendulae aetheroleum), tötet Krankheitskeime ab, vertreibt Insekten und wird gerne bei Wunden, Verbrennungen, Narbengewebe und Insektenstiche eingesetzt. Nervöse Pferde lassen sich mit einigen tropfen Lavendelöl, die um die Nüstern und Maul herum einmassiert werden, gut beruhigen.

Leinsamen (Lini semen, Linum usitatissimum, Linaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Ballaststoffe, Schleim, fettes Öl

Anwendungsgebiete: 1. Innerlich: Unzerkleinert, zerstoßen oder geschrotet als Quellstoff-Abführmittel, als Schleimzubereitung bei Gastritis (Magenschleimhautentzündung) und Enteritis (Darmentzündung), 2. Äußerlich: Umschläge bei lokalen Entzündungen

Besondere Hinweise: Keine Einnahme bei Darmverschluss, Verengung der Speiseröhre oder des Mageneingangs und bei akut entzündlichen Darmerkrankungen

Auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist zu achten

Die Resorption anderer, gleichzeitig verabreichter Arzneistoffe kann behindert werden, daher Zeitabstand zur Einnahme von anderen Arzneimitteln beachten (mind. 30 Minuten, Angabe für den Menschen)

Pfefferminzblätter u. –öl (Menthae piperitae folium u. M. p. aetheroleum, Mentha piperita, Lamiaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl (insbes. Menthol), Gerb- und Bitterstoffe, Flavonoide

Anwendungsgebiete: Pfefferminzblätter innerlich: Krampfartige Beschwerden im oberen Gastro-Intestinaltrakt (Magen/Darm-Trakt) und der Gallenwege, Appetitlosigkeit. Pfefferminzöl zur Inhalation (in Wasser verdünnt): Katarrhe der oberen Luftwege (Menthol wirkt gegen Bakterien und Pilze und löst Verschleimungen der Atemwege), Pfefferminzöl äußerlich: Muskel- und Nervenschmerzen, Insektenstiche (Pfefferminzöl z.B. mit Olivenöl verdünnen)

Besondere Hinweise: Nicht anwenden bei Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündung, chronischen Magenbeschwerden und bei schwerem Leberschaden. Äußerlich: Bei Säuglingen u. Kleinkindern Öl nicht im Gesicht und nicht zur Inhalation anwenden (Gefahr von Bronchospasmen bis hin zu asthmaähnlichen Anfällen oder Atemstillstand, Vorsicht daher auch bei der Anwendung an Tieren – dasselbe gilt für Eucalyptusöl).

Pfefferminzblätter nicht über einen zu langen Zeitraum verfüttern

Salbeiblätter (Salviae folium, Salvia officinalis, Lamiaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Gerbstoffe

Anwendungsgebiete: 1. Innerlich bei dyspeptischen Beschwerden (darunter fallen Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Durchfälle, Blähungen und Krämpfe), Anwendung bei akuten, unspezifischen Durchfall-Erkrankungen, 2. Lokal: Bei Entzündungen in der Mund- u. Rachenschleimhaut (Zahnfleischentzündungen u.a.)

Besondere Hinweise: Nicht an trächtige Tiere verfüttern, Salbei wirkt Wehen fördernd.

Die Salbeiblätter mit wohlschmeckendem Futter vermischen, um den bitteren Geschmack zu überdecken

Salbei sollte nicht über einen längeren Zeitraum und in zu großen Mengen verfüttert werden, da Magenschmerzen, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Übelkeit, Herz- und Atmungsdepressionen auftreten können

Schafgarbenkraut (Millefolia herba, Achillea millefolium, Asteraceae)


Tausendgüldenkraut

Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Gerbstoffe

Anwendungsgebiete: Innerlich als Amarum aromaticum bei Appetitlosigkeit zur Förderung der Gallensekretion sowie bei dyspeptischen Beschwerden

Besondere Hinweise: Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Schafgarbe und anderen Kompositen ( = Asteraceae, Korbblütler). Aufgrund ihrer Wirkung auf die weiblichen Organe sollte Schafgarbe nicht bei tragenden Tieren kurartig angewendet werden.

Tausendgüldenkraut (Centaurii herba, Centaurium erythrea, Gentianaceae)

Hauptinhaltsstoff: Bitterstoffe

Anwendungsgebiete: Innerlich bei Appetitlosigkeit zur Anregung der Fresslust, sowie zur Förderung der Verdauung, allgemein bei dyspeptischen Beschwerden

Besondere Hinweise: Nicht anwenden bei Magen- und Darmgeschwüren


Thymian

Thymiankraut (Thymi herba, Thymus vulgaris, T. zygis, Lamiaceae)

Hauptinhaltsstoff: Ätherisches Öl (Thymol u.a.)

Anwendungsgebiete: Bei dyspeptischen Beschwerden, appetitanregend, bei Symptomen der Bronchitis, Katarrhe der oberen Luftwege (Wirkung: expektorierend, d.h. auswurffördernd, krampflösend – spasmolytisch, sowie keimtötend)

Besondere Hinweise: Die Kombination mit anderen expektorierend wirksamen Drogen kann sehr wirksam sein

Nicht an Tieren mit Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen oder trächtigen Tieren verfüttern

Thymian muss sorgfältig dosiert werden, bei Überdosierungen und einem zu langen Anwendungszeitraum reizen Thymian-Zubereitungen die Schleimhäute und rufen Erbrechen und Durchfälle hervor (besonders reines Thymol in höheren Dosierungen führt bei Tieren zu Vergiftungserscheinungen)


Wermut

Wermutkraut (Absinthii herba, Artemisia absinthium, Asteraceae)

Hauptinhaltsstoff: Bitterstoffe

Anwendungsgebiete: Innerlich als appetitanregendes Mittel sowie zur Verbesserung der Verdauung

Besondere Hinweise: Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Korbblütler (Asteraceae)

Die Droge sowie ihre Zubereitungen sollten nur kurzfristig angewendet werden

Unerwünschte Wirkung: Bei Überdosierung und zu langer Anwendung tritt gelegentlich Gastritis (Magenschleimhautentzündung) auf

1.2 Durchfallerkrankungen (Diarrhöe)

Brombeerblätter (Rubi fruticosi folium, Rubus fruticosus, Rosaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe, ätherisches Öl

Anwendungsgebiete: Innerlich leichte, unspezifische, akute Durchfall-Erkrankungen, lokal leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut

Eichenrinde (Quercus cortex, Quercus robur, Fagaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe

Anwendungsgebiete: 1. Innere Anwendung bei unspezifischen, akuten Durchfall-Erkrankungen, 2. Äußerlich: Entzündliche Hauterkrankungen, 3. Lokal: Leichte Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich, Entzündungen im Anal- und Genitalbereich

Besondere Hinweise: Bei großflächigen Hautschäden keine äußerliche Anwendung

Bei Überdosierung und hohen Konzentrationen kann es zu Intoxikationen kommen, wie z.B. starke Hautreizungen, Leber- und Nierenschäden, Gastroenteritis (Magen- und Darmentzündung) u.a.


Gänsefingerkraut

Gänsefingerkraut (Anserinae herba, Potentilla anserina, Rosaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe

Anwendungsgebiete: Innerlich zur adjuvanten (begleitenden) Behandlung unspezifischer, akuter Durchfall-Erkrankungen, lokal zur Behandlung von Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut

Besondere Hinweise: Kombination mit weiteren Kräutern sinnvoll

Beschwerden bei Reizmagen können verstärkt werden

Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus, Vaccinium myrtillus, Ericaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe, Fruchtsäuren

Anwendungsgebiete: 1. Innerlich bei unspezifischen, akuten Diarrhöen (Durchfallerkrankungen), leichte Fälle von Gastritis (Magenschleimhautentzündung) und Enteritis (Darmentzündung), insbesondere bei Jungtieren, 2. Lokal bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich

Besondere Hinweise: Frische Heidelbeeren wirken in großen Mengen leicht laxierend (abführend)

Rathanhiawurzel (Rathanhia radix, Krameria lappacea, Krameriaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe

Anwendungsgebiete: Innerlich bei akuten, unspezifischen Durchfällen

Besondere Hinweise: In sehr seltenen Fällen können allergische Schleimhautreaktionen auftreten


Salbei

Salbeiblätter (Salviae folium, Salvia officinalis, Lamiaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl (Thujon, Cineol), Gerbstoffe, Bitterstoffe

Anwendungsgebiete: 1. Innerlich bei dyspeptischen Beschwerden (vgl. auch Pkt. 1.1), unspezifische, akute Durchfall-Erkrankungen 2. Lokal bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut (u.a. Zahnfleischentzündung)

Besondere Hinweise: Nicht an trächtige Tiere verfüttern, Salbei wirkt Wehen fördernd

Salbei sollte nicht über einen längeren Zeitraum verfüttert werden (Magenschmerzen, Übelkeit, Herz- und Atmungsdepressionen können auftreten). Die Verabreichung sollte mit stark- und wohlschmeckenden anderen Futtermitteln verabreicht werden, um den bitteren Geschmack zu überdecken

Tormentillwurzelstock (Tormentillae rhizoma, Potentilla erecta, Rosaceae)

Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe

Anwendungsgebiete: 1. Innerlich bei unspezifischer, akuter Diarrhöe, 2. Lokal bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum

Besondere Hinweise: Kombination mit weiteren Kräutern sinnvoll

Bei empfindlichen Tieren können Magenbeschwerden auftreten

1.3 Verstopfungen (Obstipation)

Leinsamen (Lini semen, Linum usitatissimum, Linaceae)

Drogenbeschreibung siehe unter Teil 1.1

Hinweis zu weiteren Drogen:

Die Drogen Aloe, Faulbaum, Medizinalrhabarbar und Sennespflanzen enthalten als Inhaltsstoffe sog. Anthranoide. Diese Drogen dürfen nur zur kurzzeitigen Anwendung bei Verstopfung verabreicht werden, da bei längerfristiger Anwendung Elektrolytverlust (insbes. Kalium) Störungen der Herz- und Muskelfunktionen (auch im Darmbereich) sowie Darmreizungen mit blutiger Diarrhöe (Durchfall) auftreten können. Bei trächtigen Tieren kann Aloe (Aloe babadensis, A. carpensis) zum Abort führen.

Anthranoiddrogen wie Aloe (dabei ist das reine Aloe, d.h. das gelblich, bräunliche Blattharz Aloin der Aloe vera gemeint, nicht das transparente und etwas schleimige Aloe Vera Gel – dieses enthält kein Aloin !), Sennesblätter etc. sind apothekenpflichtig !