Dipl.-Biol. Friederike Erlinghagen Facebook Icon
Klassische Tierhomöopathie, Ernährungsberatung und Phytotherapie für Hunde und Katzen

„Lasst die Nahrung Therapie sein“ (Hippokrates, 460-377 v.Chr)

Der Darm erfüllt lebensnotwendige Funktionen, diese zu erhalten ist Ziel einer artgerechten, gesunden Ernährung. Wie wichtig es ist, eine gesunde Darmfunktion aufrechtzuerhalten, sollen folgende Tatsachen verdeutlichen: In der Darmschleimhaut sind mehr als 70 Prozent der gesamten Abwehrzellen des Körpers lokalisiert, somit stellt sie den größten Anteil des Immunsystems. Desweiteren leben im Darm Milliarden von Bakterien, sie spalten die Nahrung auf, machen wichtige Nährstoffe verfügbar und unterstützen das Immunsystem.

Abwehrzellen und Darmflora können durch stark wirksame Medikamente, wie Cortison und Antibiotika, sowie durch Hormone, aber auch durch Schadstoffe in der Nahrung und Umweltgifte geschädigt werden.

Die Liste ernährungsbedingter Krankheiten bei unseren Haustieren ist lang: Über-/Untergewicht, Mangelerscheinungen, Koliken, Magengeschwüre, Durchfall, Haut- und Haarprobleme, allergische Erkrankungen (z.B. der Atemwege, Haut), Immunschwäche, Fruchtbarkeits- und Wachstumsstörungen, Nieren- und Lebererkrankungen, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, sogar Verhaltensstörungen sind nicht selten (sog. kognitives Dysfunktionssyndrom, bei entsprechend allergisch veranlagten Tieren können durch industrielle Futtermittel z.B. folgende Symptome auftreten: übermäßige Angstsymptome, Panikattacken, übermäßige Aggression und Destruktion, übermäßige Unruhe, Nervosität, Hyperaktivität, erhöhte Anfallsbereitschaft bis zu Epilepsie etc.).

Grund-, Präventivernährung und therapeutische Ernährung

Hinsichtlich des Nahrungsbedarfs wird zwischen der Grundernährung, Präventivernährung und therapeutische Ernährung unterschieden.

Der Begriff Grundernährung bezieht sich auf die tägliche Nahrungsaufnahme des Tieres. Eine gute Ernährung und eine gesunde ausbalancierte Diät sind die Voraussetzungen für Gesundheit, Leistungsbereitschaft und Wohlbefinden aller Tiere. Die Grundernährung eines Tieres muss genügend Wasser und die richtige Menge an Energiefutter, Nährstoffen, Proteinen, essentiellen Fettsäuren, Vitaminen, Mineralstoffen und zusätzliche Futterfaktoren enthalten, um die biologische und metabolische (Stoffwechsel) Körperfunktionen zu gewährleisten. Werden diese Mikro- und Makronährstoffe nicht über die Grundernährung zugeführt, kann es mit der Zeit zu einer ganzen Reihe von Problemen kommen.

Der Erhaltungsbedarf sollte am besten mit natürlichen, qualitativ hochwertigen Futtermitteln gedeckt werden und das Futter frei von Konservierungsstoffen, Farb- und Geschmacksstoffen sein.

Die Ernährungsqualität der kommerziellen Haustierfuttermittel variiert sehr stark in Bezug auf die Quellen ihrer Bestandteile. Billigere Futtermittel enthalten oft synthetisch, chemisch hergestellte Nährstoffe, die schwer verdaulich sind und den Stoffwechsel von Tieren erheblich belasten. Ein Problem stellt zudem der oftmals viel zu hohe Anteil an Kohlenhydraten dar. Viele Besitzer von Haustieren, Züchter und Tierärzte sind heute der Meinung, dass Fertigfutter einer der Hauptverursacher eines schlechten Gesundheitszustandes ist und suchen Alternativen zu Fertigfutterprodukten. So ist es ein deutlicher Vorteil für die Gesundheit der Tiere, wenn das Futter selbst zubereitet bzw. gekocht wird (z.B. sog. B.A.R.F-Ernährung, steht für „Biologisch Artgerechtes Roh Futter“). Dabei sollte auf einen abwechslungsreichen Fütterungsplan und auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen geachtet werden.

Der Hund fällt in die Gruppe der Carni-Omnivoren (Fleisch- und Allesfresser), für ihn stehen jede Art von Rindfleisch, Lammfleisch und Fisch (Achtung: kein rohes Schweinefleisch !), im gekochten Zustand Pute und Huhn (außer Hälse, werden roh verfüttert), Gemüse und Obst aller Art (erlaubt ist fast alles, was ihrem Hund gut schmeckt; Giftig für Hunde sind Zwiebeln und Knoblauch in größeren Mengen, Avocado sowie Auberginen, Zitrusfrüchte und geschwefeltes Trockenobst. Keine Hülsenfrüchte; Kohlgemüse, Lauch, Tomaten und Paprika können Blähungen verursachen. Damit die Nährstoffe optimal verwertet werden können, sollte das Obst und Gemüse püriert werden und gemischt angeboten werden - Gemüse schmeckt oft bitter. Um die fettlöslichen Vitamine optimal verwerten zu können, sollte das Futter mit kaltgepresstem Pflanzenöl ergänzt werden), sowie Joghurts (mit rechtsdrehenden Bakterien), Buttermilch, Quark, Ei, sowie Getreide (Reis, gekochte Kartoffeln, Nudeln, Hirse) und als Zusätze Öl (z.B. Leinöl, Oliven-, Distel-, Fischöl, natives Sonnenblumenöl) auf dem Speiseplan. Allgemein gilt: bei Rohfütterung mit Fisch sollte auf Thiaminase-freie Fischsorten (z.B. Barsch, Wels, Butterfisch) geachtet werden, da das Enzym Thiamin (Vit. B1) spaltet, das dem Organismus dann nicht mehr zur Verfügung steht (gilt auch für die Katze). Thiaminase ist hitzelabil und wird beim Kochen oder Braten zerstört. Thiaminase ist in Hering, Karpfen, Kabeljau, Hecht u.a. enthalten.

Die Katze hingegen ist von Natur aus ein reiner Fleischfresser (Carnivor) und benötigt, im Gegensatz zum Hund, sehr viel Eiweiß (insbesondere junge Katzen) sowie leicht verdauliche Nährstoffe in ihrem Futter. Wertvolle Eiweißquellen sind Fleisch von Schaf, Kaninchen, Rind, Wild, Geflügel (alles ohne Knochen) sowie Innereien (Leber, Niere, Herz) und Fisch. Zutaten wie Gemüse, Reis, Haferflocken sollten immer im feingehacktem Zustand gegeben werden (bessere Akzeptanz). Das Futter sollte immer lauwarm verabreicht werden, nie kalt. Die Katze frisst mehrmals täglich kleine Portionen und legt aller größten Wert auf Frische, und würde in der freien Wildbahn im Gegensatz zum Hund niemals Aas fressen. Daher gestaltet sich die Rohfütterung bei Katzen etwas schwieriger. Steht das Rohfutter längere Zeit bei Zimmertemperatur im Napf, kommt es oft vor, dass Katzen dieses Futter verweigern. Am einfachsten ist die Rohfütterung bei jungen Katzen zu etablieren. Katzen sind Gewohnheitstiere, so dass eine Futterumstellung mit zunehmenden Alter immer schwieriger wird. Katzen haben die Angewohnheit wenig zu trinken. Das kann sich nachteilig auf die Nieren auswirken. Häufig bilden sich in den Nieren Harnstein, der zu entsprechenden Koliken führen kann. Daher sollte immer frisches Wasser zur Verfügung stehen. Pro 1 kg Körpergewicht wird ¼ Liter Wasser benötigt (Richtwert). Kuhmilch wird von den meisten Katzen nicht vertragen. Ess- und Trinkplatz sind bei Katzen immer zu trennen.

Präventivernährung: Der Bedarf an Nährstoffen variiert stark in Abhängigkeit von der Art, dem Alter, der Größe, dem physiologischen Zustand und der biochemischen Individualität. Einfluss auf die biochemische Individualität und damit auf die Nährstoffbedürfnisse der Tiere können z.B. Veranlagung, Erblichkeit, Umweltgifte, Mangelernährung, Krankheit, Verletzungen, Stress, unzureichende Bewegung sowie lang- und kurzfristige medikamentöse Behandlungen sein. Ein Ungleichgewicht bei einen oder mehreren Faktoren kann zu Mangelerscheinungen und auch zu nicht reversiblen Gesundheitsschäden führen. Ergänzungsfutter sollten in Kombination mit einer qualitativ hochwertigen Grundernährung eingesetzt werden. Die Anwendung von Ergänzungsfuttermitteln, wie z.B. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, erhöht die Verfügbarkeit essentieller Nährstoffe in der Gesamtration des Tieres und vermindert somit die Krankheitsanfälligkeit des Tieres, vermindertes Wachstum etc. Die Nährstoffe, die z.B. speziell bei Katzen vorhanden sein müssen, sind u.a. Arachidonsäure, das Taurin und vorgeformtes Vitamin A. So können Katzen z.B. das Taurin nur in geringem Maße selbst herstellen und sind darum besonders anfällig für Mangelerscheinungen dieses essentiellen Nährstoffes (Folgen eines Mangels sind z.B. Herzmuskelerkrankungen, Probleme bei der Reproduktion, wie Wachstumsanomalien und erhöhte Sterblichkeit der Welpen).

Therapeutische Ernährung: Viele Studien und klinische Untersuchungen haben gezeigt, das Heilungsprozesse von Verletzungen oder Krankheiten durch eine Vielzahl von Nährstoffen, Futterfaktoren und natürlichen Produkten (z.B. Heilpflanzen) wirksam und sicher beschleunigt werden kann. Ernährung kann den Körper helfen, verletztes Gewebe zu regenerieren, die metabolischen Funktionen zu stärken (Stoffwechsel), das Immunsystem anzuregen, entzündliche Prozesse abzumildern und generell den Heilungsprozess zu beschleunigen. Bei vielen Erkrankungen (chronische Niereninsuffizienz, exokrine Pankreasinsuffizienz, Blasensteine....) sowie Übergewicht ist es oftmals möglich, mit einer geeigneten Diät die Lebensqualität ihres Tieres deutlich zu steigern. So stellt eine therapeutische Ernährung eine wichtige Ergänzung zur Therapie – sei es in Form von Naturheilverfahren oder konventioneller Art – dar.

Über gesunde und artgerechte Alternativen zum Barfen berate ich sie gerne!

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Literatur

BIBER, V. (2010): Allergien beim Hund. Kosmos-Verlag.

DILLITZER, N. (2009): Ernährungsberatung in der Kleintierpraxis. Urban & Fischer Verlag.

SCHOEN, A.M., WYNN, S.G. (2005): Naturheilverfahren in der Tiermedizin. Urban & Fischer, München, Jena

YIN, S.A., NOLTE, I. (2009): Praxisleitfaden Hund und Katze. Schlütersche-Verlag